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Wie ich der Coach wurde, der ich heute bin

Ich habe im Coaching meine Berufung gefunden – die Arbeit mit meinen Kunden bereichert nicht nur sie, sondern erlaubt auch mir, jeden Tag zu lernen und mich weiterzuentwickeln. Als Coach spreche ich Menschen an, die hohe Ansprüche an sich und andere haben, aber nicht um jeden Preis Karriere machen wollen; die nicht in alten Verhaltensschleifen stecken bleiben, sondern an Herausforderungen wachsen wollen – solchen Kunden habe ich viel anzubieten. An diese Menschen richtet sich auch mein englischer Blog An Espresso for Your Career. Mehr zu mir von mir unten. Wenn Sie lieber etwas von anderen lesen wollen, hier einige Kundenreferenzen auf LinkedIn.

Annette Reissfelder

Steckbrief: Studium der Volkswirtschaft/ Wirtschaftsgeschichte in London, Psychologie in Hamburg. Dipl.-Psych., Professional Accredited Coach-Supervisor, diverse Coaching- und Supervisions-Ausbildungen. Gründungspartnerin einer Beratungsfirma. Seit 2000 international in 3 Sprachen als Coach tätig, 7.500+ Coachingstunden.

Ich arbeite mit Führungskräften aus Fertigung, Finanzen, Ein- und Verkauf, mit Unternehmenseignern sowie Partnern renommierter Beratungs-Firmen.

Die meisten Projekte thematisieren neben Rolle und Persönlichkeit auch interne Strukturen, Werte und Ziele der Organisation.

Mehr (viel mehr…) zu mir und meinem Werdegang lesen Sie hier:

  • Sehr hoher oder beachtlicher Nutzen des Coachings für mich persönlich 85.7%
  • Sehr hoher oder beachtlicher Nutzen des Coachings für mein ganzes Team 85.7%
  • Beachtlicher ROI des Coachings für meine Firma 57.1%
  • Sehr hoher oder beachtlicher Nutzen des Coachings für mein Privatleben 57.1%

Ergebnisse eigener Kundenstudie; 26 Antworten von Führungskräften und Unternehmern

Coach für "HiPos"

High Potentials haben viel anzubieten, wirken (und sind) aber manchmal wenig angepasst. Ein Vorgesetzter, der sie unterstützt, zu lernen, sich zu positionieren, um ihre Ziele zu erreichen und gleichzeitig sie selbst zu bleiben, investiert in motivierte, loyale Mitarbeiter. Einfachere Mitarbeiter gehören in einfachere Zeiten.

Coach für Geschäftsführer

Geschäftsführer haben selten Gelegenheit, sich im Dialog nur auf ihre eigenen Belange zu konzentrieren. Ein Partner, der sie und ihre Situation in ihrer Komplexität versteht, neue Perspektiven und Impulse aufzeigt, ohne sie dabei inhaltlich zu beeinflussen, ist kein Luxus. Zumindest nicht für Menschen, die im Dialog einfach besser denken.

Coach für Unternehmer

Auch Selbständige und Eigentümer stehen manchmal vor Herausforderungen, in denen sie ihre erprobten Lösungsstrategien als unbefriedigend erleben. Wenn es um Ihre eigenen Ziele, Nachfolgeplanung oder
Ausstiegsstrategien geht: solche Themen diskutieren sich am besten auf Augenhöhe.

Coach für internationale Führungskräfte

Viele Führungskräfte sehen sich als Gestalter, Macher und Problemlöser, nicht als „Verwalter“. Sie fragen sich, ob eine indirekt beeinflussende Rolle zu ihnen passen könnte, und wie sie den Übergang zu einer „Hands-off“-Position bewältigen? In unserem Dialog finden Sie Ihre Antworten.

Prägend für meinen Werdegang zum Top-Management-Coach waren meine Erfahrungen als Unternehmensberaterin in der fertigenden Industrie, sowie meine Unternehmererfahrung in einer Doppelspitze.

1998 erfuhr ich als Gründungspartnerin einer Unternehmensberatung mit über 30 Mitarbeitern, was viele meiner Kunden kennen: in ihrem Umfeld erwecken sie den Eindruck, alles erreicht zu haben – was aber gar nicht ihrer Selbsteinschätzung und ihrem Lebensgefühl entspricht. In meinem Fall: mit viel Einsatz und hohen persönlichen Investitionen hatten mein Partner und ich nach Jahren Arbeit rund um die Uhr eine Firma aufgebaut, die loyale Stammkunden und sehr talentierte, engagierte Mitarbeiter hatte. Das ganze wurde nach den ersten harten Jahren auch zunehmend lukrativ. Keine Frage: ein schöner Erfolg Anfang Dreißig mit einer selbstfinanzierten Auslandsinvestition… Es gab aber auch eine andere Seite der Medaille: wir waren zwei gleichberechtigte Eigentümer. Und im Gegensatz zu meinem Partner tat ich, was getan werden musste, auch wenn die Themen mich nicht sonderlich interessierten. Das kannte ich aus meiner Herkunftsfamilie. Dies war praktisch für meinen Mitgeschäftsführer: er behielt den Kopf für seine Ziele und Prioritäten frei, und konnte mir den nervigen Rest überlassen. Im Ergebnis hatte er Zeit für Kundenkontakte, während ich bis spät abends in der Firma festhing…

Auch ein weiteres Phänomen kennen viele meiner heutigen Kunden: einer der Geschäftsführer versucht, die Rolle und Leistung des anderen vor den Mitarbeitern bzw. Eigentümern herunterzuspielen. Das ist in der Regel der außenorientierte Visionär/Verkäufer, der natürlich erfolgskritische Fähigkeiten mitbringt – aber mit denen allein lässt sich nach der Aufbauphase nun einmal keine langfristig erfolgreiche und finanziell gesunde Firma führen… Hier fehlte in unserer Konstellation ein Aufsichtsgremium, das auf diese Tatsache hätte verweisen können!

Die Kombination beider Faktoren war für mich äußerst unbefriedigend. Ich versuchte zunächst über Argumente, eine Veränderung meines Partners herbeizuführen, mit mäßigem Erfolg. Dann begann ich eine Coaching-Ausbildung – zwar nicht mit dem expliziten Ziel, mich als Führungskraft und meinem Mitgesellschafter gegenüber neu zu positionieren, aber wie viele Manager machte ich die Erfahrung, dass die gewonnenen Einsichten durchaus zu Veränderungen führten. Mein Umgang mit mir selbst und anderen veränderte sich, mit dem Ergebnis dass ich meinen Zielen (und Zeit) einen höheren Stellenwert beimaß und nicht mehr unbegrenzt zur Verfügung stand, um an anderer Leute Zielen zu arbeiten.

Durch die Coaching-Gespräche im Rahmen der Ausbildung fiel mir auf, dass ich mich bei Entscheidungen mit meinem Partner nicht auf Augenhöhe erlebte. Hier hatte sich eine interessante Dynamik eingeschlichen: ich war diejenige, die mit Entscheidungsvorlagen kam – aber zu Themen, die in seiner Wahrnehmung höchstens „nice to have“ waren. Vorbesprechungen vermied er, und konnte dann, ganz Chef, meine Auswahl, Vorschläge oder Herangehensweise kritisieren. Dieses Muster übertrug er auf Projektbesprechungen im Team, wo dieser Ton völlig unangemessen war.

Theoretisch wusste ich alles über Aufgaben- und Rollenklarheit, aber ich konnte das unter diesen Umständen nicht leben. Ich habe lange gezögert, die Möglichkeit, „meine“ Firma zu verlassen in Betracht zu ziehen, zumal viele Mitarbeiter meinetwegen für die Firma entschieden hatten. In dieser Phase mehrten sich die Signale, dass meinem Körper der viele Stress nicht bekam. Irgendwann war ich bereit, mein persönliches Wohlergehen über die Identifikation mit der Firma zu stellen und an einer Ausstiegs-Strategie zu arbeiten. Zu dieser Zeit hatte ich bereits 2 Jahre Coaching-Ausbildungen absolviert und machte Einzelcoachings mit Geschäftsführern, und arbeitete im Rest der Zeit zwei Nachfolger für mich ein. In dieser Zeit setzte ich diese Einsichten um:

  • Ich bin verantwortlich dafür, in einem Umfeld zu leben und arbeiten, das mir entspricht;
  • wenn das nicht mehr der Fall ist versuche ich, es über meine Veränderung zu verändern; wenn das trotz ernsthafter Anstrengung nicht gelingt, verlasse ich es;
  • wie ich von außen wahrgenommen werde ist ein wertvoller Spiegel; es definiert mich nicht (entscheidend ist meine Wahrnehmung), weist mich aber auf Übersehenes hin; vor allem, wenn Dinge nicht so laufen wie ich sie mir vorstelle;
  • Veränderung bedeutet, etwas Liebgewonnenes aufzugeben; der Platz für Neues muss erst entstehen…

Wie eingangs erwähnt prägte mich auch der Umgang mit Führungskräften bzw. Eigentümern unserer Unternehmensberatungs-Kunden. Dort konnte ich schon vor meiner Coaching-Tätigkeit z.B. beobachten, dass detailliert mit dem Kunden geplante Projekte letztlich in der Implementierungs-Phase gestoppt oder nur teilweise umgesetzt wurden. Das schien zunächst wenig Sinn zu machen; und auch wenn die Gründe unterschiedlich gelagert waren, bestand fast immer ein Kommunikationsproblem auf Eigentümer- bzw. Geschäftsführungs-Ebene. Oft hatte sich die Positionierung des Projekt-Initiators verändert. Wie auch immer: Schon damals erschien es mir sinnvoll, dort anzusetzen, wo sich etwas verschoben hatte – und vor allem, was wir als Berater nicht ausreichend taten, Befürchtungen und Befindlichkeiten aller Beteiligten ernst zu nehmen. Einige dieser Geschäftsführer/Manager hätte ich gern dabei unterstützt, ihre Wirkung im Unternehmen besser zu entfalten (jetzt da ich das ja mühsam selbst gelernt hatte :)), aber als Unternehmensberater hatte ich für eine so persönliche Arbeit zum einen kein Mandat – zum anderen auch nicht den blassesten Schimmer, wie das hätte gehen sollen… auch das musste ich ja erst mühsam und in jahrelanger „Selbsterfahrung“ lernen…

Das alles konnte ich als Coach ändern – und auf Augenhöhe mit Menschen arbeiten, die bereit waren, die Zukunftsfähigkeit ihrer Firmen über kurzfristige Karriereinteressen zu stellen, und dafür auch an eigenen schwierigen Themen zu arbeiten. Heute habe ich das Privileg, ambitionierten Kunden bei der erfolgreichen Umsetzung ihrer Projekte begleiten zu können. Viele meiner Unternehmer-Erfahrungen waren gar nicht so originell: viele Kunden beschrieben ganz ähnliche Dynamiken. An dem Beispiel lässt sich gut verdeutlichen, dass Probleme oft aus der systemischen Konstellation entstehen, nicht aus einer persönlichen Problemhaftigkeit – wie in meinem Fall durch eine hohe Toleranz für das Verhalten meines Partners. Anders geprägte Menschen hätten hier viel früher klare Worte gefunden…

Ebenfalls aus eigener Erfahrung kann ich sagen dass die Veränderung meines inneren Dialogs entscheidend war; das stellen auch meine Kunden immer wieder fest. Statt sich vergeblich auf der Ebene des Appells („du solltest“, „jetzt setz das doch mal um wie du dir vorgenommen hast“ etc.) abzumühen, ermöglicht ein tieferer Kontakt mit den inneren Impulsgebern, das eigene (Er-)Leben kraftvoller und besser steuern zu können. Ich trauere meiner Entscheidung, aus „meiner“ Firma auszusteigen nicht nach. Ich habe ein selbstbestimmtes Leben gewonnen, und Zeit für mich. Außerdem habe ich den Luxus, dass fast alles, was mich interessiert und worin ich mich in den letzten 15 Jahren weitergebildet habe, in meine Arbeit einfließt. Nicht nur Strategie, Management und Psychologie, sondern auch Geschichte, Philosophie, Literatur usw. hilft mir bei der Veranschaulichung von Prozessen durch geeignete Parallelen. Und mein Interesse an Neurobiologie unterstützt die Wahl gehirngerechter Methoden, wenn meine Kunden neue Verhaltensweisen integrieren möchten.

Was mich mit meinen Kunden verbindet – und was nicht

Menschen zu helfen, herausfordernde Situationen für sich optimal zu gestalten und dabei sie selbst zu bleiben, ist eine bleibende Motivation. Wenn jemand Lösungen sucht, können wir zusammen viel erreichen. Als Psychologin und Coach spüre ich mich in die persönliche Motivation und Disposition meines Gegenübers schnell ein; ich kann aber auch die Ziele und Sachzwänge beurteilen, denen sie als Unternehmer, Manager und Menschen ausgesetzt sind und an denen sie ihre Lösungen messen. Den Luxus eines so umfassend qualifizierten Partners, mit dem sich umsichtige Lösungen gestalten ließen, hatte ich damals nicht. Deshalb bin ich wohl unbewusst der Coach geworden, den ich gebraucht hätte, um nicht ganz so „teuer“ aus meiner Situation herauszufinden.

Was ich meist nicht mit meinen Kunden gemein habe sind die Rahmenbedingungen: sie sind entweder angestellte Führungskräfte, oder sind als Eigentümer in klaren Entscheidungsverhältnissen. Ich kann mich für alle meine Kunden und ihre Ziele begeistern. Das ist nicht schwer – denn meine Kunden verbindet vieles, was sie mir sympathisch macht. Sie sind leistungs- und lösungsorientiert, pragmatisch, und definieren Erfolg im Leben nicht nur über Karriere. Sie sind kritische Denker und akzeptieren Klischees nicht fraglos – auch nicht das von der Unvereinbarkeit von Karriere und persönlicher Entwicklung. Im Gegenteil: gerade die jüngeren fühlen sich gleichermaßen ihrer Karriere wie sich selbst – ihren Werten und Bindungen – verpflichtet. Sie wollen keinen goldene Käfig, sondern Gestaltungsspielraum. Bei Problemen sind sie bereit, sich reinen Wein einzuschenken, statt der Versuchung zu erliegen, sich als Opfer zu sehen. Auch wenn sie feststecken, und verwundert feststellen, dass sie den Knoten nicht aus eigener Kraft lösen können, ahnen sie, dass sie am falschen Ende ziehen. Wie auch immer: sie wollen Energie in die Situation bringen, und sind im Interesse einer Lösung sogar bereit, liebgewordene Denkschemata und Gewohnheiten in Frage zu stellen. Keine Frage: es sind ungewöhnliche Menschen!

Noch eine Gemeinsamkeit: meine Kunden stellen hohe Anforderungen an sich und haben anspruchsvolle Ziele. Das hat positive und negative Konsequenzen. Zu den positiven gehört, dass sie Probleme, die eine persönliche Veränderung mit sich bringen, als „Häutung“, d.h. einen unumgänglichen Entwicklungsschritt auf ihrem persönlichen Weg annehmen können. Das setzt Energie für positive Themen frei, weil innere Widerstände überwunden werden können. Auch wenn das einmal unbequem ist, es ist für sie immer besser als das Gefühl, dass sich nichts bewegt und sie nichts bewegen können…

PS Im Interview der tschechischen BusinessWoman lesen Sie eine Variation dieser Geschichte aus meiner Beraterzeit in Prag, wo wir unsere Beratungsfirma gegründet hatten. Klicken Sie einfach das Bild an – vorausgesetzt, Sie verstehen tschechisch.

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